Ein Sprachmodell schlägt vor, eine Veranstaltung als „Gedankengarten“ zu gestalten. Der Ausdruck macht neugierig. Doch was folgt daraus für die Vorbereitung? Welche Entscheidung würde anders ausfallen? An dieser Stelle beginnt die eigentliche Denkarbeit: Eine überraschende Verbindung muss so weit ausgearbeitet werden, dass sich ihr Nutzen und ihre Grenzen beurteilen lassen.
Aus meinen Arbeitsentwürfen zum Generative Collision Reactor, kurz GCR, und zur Exokortex-Methode lässt sich dafür eine überschaubare Übung ableiten. GCR ordnet die Suche nach Verbindungen zwischen Wissensgebieten; die Exokortex-Methode unterscheidet Aufgaben, die man einem Sprachmodell im Gespräch geben kann. Die hier beschriebene Verbindung ist ein methodischer Vorschlag. Für ihre Überlegenheit gegenüber einem freien KI-Gespräch liegen diesem Beitrag keine vergleichenden Untersuchungen zugrunde.
Eine Verbindung braucht mehr als ein gemeinsames Wort
Der Gedanke, Denken durch Werkzeuge und Arbeitsweisen zu unterstützen, hat eine lange Vorgeschichte. Douglas Engelbart beschrieb 1962 einen Ansatz, der Menschen, technische Hilfsmittel, Sprache, Methoden und Training zusammen betrachtet. Das ist ein hilfreicher Bezugspunkt für die Gestaltung eines Arbeitsablaufs mit KI; eine Validierung heutiger Sprachmodelle lässt sich daraus nicht ableiten. Engelbart: Augmenting Human Intellect.
Für den Vergleich zweier Wissensgebiete bietet Dedre Gentners Theorie des Structure-Mapping eine präzisere Frage: Welche Beziehungen zwischen den Dingen lassen sich übertragen? In ihrer Theorie steht die Zuordnung von Beziehungen im Mittelpunkt, besonders wenn diese zusammenhängende Strukturen bilden. Ähnliche Bezeichnungen allein leisten das noch nicht. Gentner: Structure-Mapping: A Theoretical Framework for Analogy.
Aus dieser Unterscheidung entwickle ich für die Arbeit mit einem Sprachmodell eine eigene praktische Anforderung: Jede vorgeschlagene Verbindung soll benennen, was sie erklärt, welche Handlung sie nahelegt und an welcher Stelle sie scheitert.
Ein durchgespieltes Beispiel
Nehmen wir einen ausdrücklich erfundenen Planungsfall: Eine Bildungsreferentin bereitet einen offenen Gesprächsabend zu einem Sachbuch vor. Manche Gäste haben das ganze Buch gelesen, andere kennen nur das Thema. Sie möchte beide Gruppen ins Gespräch bringen. Ein bloßer Auftrag wie „Mache den Abend kreativ“ lässt vieles offen.
Zuerst schreibt die Referentin deshalb ihr Ziel auf: „Gäste mit unterschiedlichem Vorwissen sollen eine Textstelle gemeinsam diskutieren können.“ Als mögliche Schwierigkeit hält sie fest, dass eine lange Einführung die gut vorbereiteten Gäste langweilen könnte, während der direkte Einstieg andere ausschließt. Das sind Annahmen über den geplanten Abend, noch keine beobachteten Ergebnisse.
Nun nimmt sie ein anderes Gebiet hinzu: einen selbst entworfenen Stadtplan mit mehreren Zugängen und einem gemeinsamen Treffpunkt. Sie bittet das Modell, die Beziehungen dieses Plans auf den Gesprächsabend zu übertragen. Aus dem Vergleich lässt sich folgende kleine Entwurfsskizze entwickeln:
| Beziehung im gedachten Stadtplan | Vorschlag für den Gesprächsabend |
|---|---|
| Verschiedene Zugänge führen zum selben Platz. | Gäste wählen zwischen einer kurzen Einführung und einer vertiefenden Einstiegsfrage. |
| Wegweiser zeigen, wohin ein Weg führt. | Beide Angebote nennen ausdrücklich, welche Frage sie vorbereiten. |
| Ein Treffpunkt verbindet die Wege. | Anschließend arbeiten alle an derselben kurzen Textstelle. |
Die Tabelle zeigt zunächst einzelne Zuordnungen; eine ausgearbeitete Übertragung der Beziehungen untereinander leistet sie noch nicht. Der eigens entworfene Stadtplan dient hier als Denkhilfe. Die Skizze beschreibt eine mögliche Gestaltung. Sie zeigt weder, dass diese Gestaltung neu ist, noch dass sie besser funktioniert. Ihr Wert für die Planung besteht zunächst darin, drei konkrete Entscheidungen sichtbar zu machen: unterschiedliche Einstiege, erkennbare Ziele und eine gemeinsame Gesprächsgrundlage.
Jetzt folgt der Gegenfall. Eine Person kann das Buch gut kennen und bei einem einzelnen Begriff dennoch eine Einführung brauchen. Zwei getrennte Zugänge würden sie zu einer unpassenden Wahl zwingen. Die Referentin könnte deshalb einen Wechsel zwischen den Einstiegsangeboten ausdrücklich ermöglichen. Auch der gemeinsame Treffpunkt löst nicht automatisch das Problem, dass wenige Personen das Gespräch bestimmen. Dafür braucht es eine weitere, gesondert begründete Moderationsentscheidung. Die Analogie hat hier ihre Grenze erreicht.
Dem Modell nacheinander klare Aufgaben geben
Für diese Übung wähle ich drei Aufgaben aus dem breiteren Exokortex-Entwurf: wiedergeben, widersprechen und festhalten. Diese Auswahl ist eine vereinfachte Fassung für das Beispiel. „Exokortex“ dient dabei als Metapher für die Arbeit mit einem externen Werkzeug.
Beim Wiedergeben lautet der Auftrag beispielsweise: „Fasse mein Ziel zusammen. Trenne meine Beobachtungen von meinen Vermutungen und deinen Ergänzungen.“ Danach prüft die Referentin, ob das Modell ihr Anliegen getroffen oder bereits verändert hat.
Beim Widersprechen fragt sie: „An welcher Beziehung bricht der Vergleich? Nenne einen konkreten Fall, in dem der Vorschlag mein Ziel verfehlt.“ Eine erzeugte Gegenrede ist ein Prüfangebot. Ob der Einwand sachlich trägt, muss an der Aufgabe und gegebenenfalls an Quellen geprüft werden.
Beim Festhalten lässt sie eine kurze Notiz formulieren: Ausgangsproblem, übertragene Beziehung, Einwand, eigene Entscheidung und offene Frage. Die Referentin kontrolliert diese Notiz und speichert sie selbst. Dadurch ist später erkennbar, weshalb sie einen Vorschlag angenommen oder verworfen hat.
Vom Entwurf zur Beobachtung
Am Ende steht in unserem Beispiel ein Veranstaltungsentwurf. Eine erste Erprobung könnte klären, ob Gäste die beiden Einstiegsangebote verstehen und anschließend an der gemeinsamen Textstelle mitarbeiten können. Auch missverständliche Anweisungen, Abbrüche und unerwartete Schwierigkeiten gehören in die Dokumentation.
Wer darüber hinaus behaupten möchte, die gesamte Übung verbessere die Planung, braucht einen geeigneten Vergleich: etwa dieselbe Aufgabe als freies KI-Gespräch mit demselben Modell, ähnlich viel Vorbereitungszeit und denselben verfügbaren Informationen, aber ohne Vorgaben zu Analogietransfer und Rollenfolge. Die Kriterien sollten vorher feststehen. Ein gelungener Abend allein trennt den Beitrag der Methode nicht von Erfahrung, Thema, Gruppe oder zusätzlichem Aufwand.
Die Übung endet deshalb mit einer konkreten Frage an den eigenen Entwurf: Welche Entscheidung kann ich jetzt besser begründen, und welche Beobachtung würde mich dazu bringen, sie zu ändern?
Hinweis zur Entstehung: Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung entworfen und redaktionell bearbeitet. Das Planungsbeispiel wurde für den Text konstruiert; es beschreibt keine durchgeführte Veranstaltung. GCR und Exokortex werden als eigene Arbeitsentwürfe vorgestellt. Die herangezogenen Manuskriptfassungen sind WP-037 V3, Abschnitt 4, und WP-010 V3, Abschnitte 2–4; ein öffentlicher Volltextnachweis dieser Fassungen wurde für diesen Beitrag nicht bestätigt.